Neben Musik steht Geselligkeit im Vordergrund - 135 Jahre und kein bisschen leise: Sängervereinigung Wieseck begeht am Sonntag Geburtstag - Wintervergnügen findet regelmäßig großen Anklang.
GIESSEN-WIESECK (kg). 135 Jahre alt ist die Sängervereinigung Wieseck, die am kommenden Sonntag ihren Geburtstag mit einem Konzert und anschließendem Buffet im Bürgerhaus Wieseck feiern wird.
Sie ging hervor aus dem Zusammenschluss der Vereine "Concordia", "Jugendgrund", Sängervereinigung 1925 und Arbeitergesangverein "Sängerkranz". Der ursprüngliche Name war Männergesangverein Gießen-Wieseck. Das Gründungsdatum 1872 ergibt sich aus dem vorhandenen Original des Protokollbuchs des Gesangvereins "Concordia". Dort heißt es unter dem 28. September 1872: "Die Mitglieder hielten es für nothwendig, daß jeder gefasste Beschluß niedergeschrieben werden müsste und wurde dieserhalb das Mitglied "Wilhelm Hansult" als Schriftwart mit Stimmenmehrheit ernannt". Aus den Protokollen der Gründerzeit geht auch hervor, dass eine Kommission darüber zu entscheiden hatte, wer in den Verein aufgenommen wurde. Jeder Sänger musste die zum Einüben vorgesehenen Lieder selbst in ein Buch einschreiben. Wer dazu nicht in der Lage war, konnte das auf eigene Kosten von einem dazu bestimmten Sangesbruders jedoch nur unter der Oberaufsicht "des Herrn Direktores" (Chorleiters) schreiben lassen. Versäumte ein Sänger die Chorstunde, musste er sehr hohe Geldstrafen innerhalb einer Frist zahlen. Mitglieder, die die Bestimmungen nicht einhielten, wurden aus dem Verein ausgeschlossen.
Doch es gab auch Fröhliches zu berichten.
Vereinsabende und Sängerfeste verstanden die Sänger
entsprechend zu feiern. Mit Pferdefuhrwerken besuchten die
Vereinsmitglieder die auswärtigen Veranstaltungen. Alljährlich
fand die Waldpartie am Himmelfahrtstag im Hangelstein statt.
Als die Sänger von einem verstorbenen Sangesbruder Abschied
nahmen, wurden bei der Versammlung nach der Beerdigung zwei
Fass Bier und mehrere Flaschen Branntwein getrunken, heißt es
in einem Bericht.
Im März 1947 schlossen sich die Vereine
Arbeitergesangverein "Sängerkranz" und Sängervereinigung 1925
zusammen.
Die erste Singstunde unter dem neuen Namen
Männergesangverein Wieseck fand am 5. März 1947 im
Vereinslokal "Zum Kühlen Grund" (später Gasthaus Schepers)
statt. 1958 übernahm Wilhelm Schomber die Leitung des Chores
und führte ihn 40 Jahre lang.
Seine Tätigkeit hat den Chor
entscheidend geprägt.
In seine Zeit als musikalischer
Leiter fallen unvergessliche Konzertreisen, wie nach Ungarn
mit Konzerten in der Stephans-Basilika und in der
Matthiaskirche in Budapest. Weitere Ziele waren Berlin,
Hamburg, und die Gießener Partnerstadt Hradec Kralove sowie
Admont. Außerdem gab es regelmäßige weltliche und geistliche
Chorkonzerte in Wieseck und Gießen und die Sängervereinigung
wirkte bei Veranstaltungen der Wiesecker Ortsvereine mit.
Drei Tage lang feierte der Verein im Juni 1972 den 100.
Geburtstag. Das Festkonzert fand in der Aula der
Justus-Liebig-Universität statt. Höhepunkt des Festes war die
überreichung der "Zelter-Plakette" an den Verein durch den
damaligen Hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald, der
dem Verein als Ehrenmitglied angehörte.
Seit 1976 zählt
die Sängervereinigung zum Sängerkreis Gießen. In Anlehnung an
die Vereinsgeschichte wurde der Verein 1980 wieder in
"Sängervereinigung Wieseck" umbenannt. 1998 übernahm Armin
Plewa-Moormann den Verein als Chorleiter; die
Sängervereinigung veranstaltete weiterhin regelmäßige Konzerte
im heimischen Raum. Zwei Reisen führten nach Gilching zum
befreundeten Chor Singkreis Gilching.
2005 gründete sich
die Chorgruppe "Cantare", die aus aktiven Mitgliedern der
Sängervereinigung besteht und sich mit der Einstudierung
moderner Chorliteratur, Pop-Arrangements sowie Gospels und
Spirituals befasst.
Seit 1991 steht Hans Dieter Leib an der
Spitze der Sängervereinigung.
Nicht nur die
chormusikalischen Aktivitäten stehen im Mittelpunkt des
geselligen Vereins. Einen wesentlichen Bestandteil des
Vereinslebens stellt das jährliche Wintervergnügen dar, zu dem
auch die öffentlichkeit eingeladen wird. Die jeweiligen
Unterhaltungsprogramme werden ausschließlich von
Vereinsmitgliedern gestaltet und finden regelmäßig großen
Anklang.
Vierteljährliche Wanderungen fördern die
Geselligkeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl der
Vereinsmitglieder.
Mit dem Konzert zum 135-jährigen
Bestehen am Sonntag, ab 11 Uhr im Bürgerhaus Wieseck, versucht
die Sängervereinigung einen neuen Weg zu gehen. Deshalb wird
das Konzert als Matinee veranstaltet, im Anschluss daran
bietet das Bürgerhaus-Restaurant den Konzertbesuchern ein
Mittags-Buffet an.
Mitwirkende sind: Gemischter Chor
Sängervereinigung Wieseck, "Cantare" Sängervereinigung
Wieseck, Beate Pflugradt, Evi Ihm, Monika Sadys (alle Sopran)
Irene Conrad (Alt), Antonia Schmitt (Flöte) Luisa Wagner
(Klavier), Sophie Wagner (Violine), Klavierbegleitung: Therese
Rinderknecht.
Die musikalische Leitung hat Armin Plewa
Moormann.