Artikel aus dem Gießener Anzeiger - Neben Musik steht Geselligkeit im Vordergrund vom 20.04.2007

Neben Musik steht Geselligkeit im Vordergrund - 135 Jahre und kein bisschen leise: Sängervereinigung Wieseck begeht am Sonntag Geburtstag - Wintervergnügen findet regelmäßig großen Anklang.

GIESSEN-WIESECK (kg). 135 Jahre alt ist die Sängervereinigung Wieseck, die am kommenden Sonntag ihren Geburtstag mit einem Konzert und anschließendem Buffet im Bürgerhaus Wieseck feiern wird.

Sie ging hervor aus dem Zusammenschluss der Vereine "Concordia", "Jugendgrund", Sängervereinigung 1925 und Arbeitergesangverein "Sängerkranz". Der ursprüngliche Name war Männergesangverein Gießen-Wieseck. Das Gründungsdatum 1872 ergibt sich aus dem vorhandenen Original des Protokollbuchs des Gesangvereins "Concordia". Dort heißt es unter dem 28. September 1872: "Die Mitglieder hielten es für nothwendig, daß jeder gefasste Beschluß niedergeschrieben werden müsste und wurde dieserhalb das Mitglied "Wilhelm Hansult" als Schriftwart mit Stimmenmehrheit ernannt". Aus den Protokollen der Gründerzeit geht auch hervor, dass eine Kommission darüber zu entscheiden hatte, wer in den Verein aufgenommen wurde. Jeder Sänger musste die zum Einüben vorgesehenen Lieder selbst in ein Buch einschreiben. Wer dazu nicht in der Lage war, konnte das auf eigene Kosten von einem dazu bestimmten Sangesbruders jedoch nur unter der Oberaufsicht "des Herrn Direktores" (Chorleiters) schreiben lassen. Versäumte ein Sänger die Chorstunde, musste er sehr hohe Geldstrafen innerhalb einer Frist zahlen. Mitglieder, die die Bestimmungen nicht einhielten, wurden aus dem Verein ausgeschlossen.

Doch es gab auch Fröhliches zu berichten. Vereinsabende und Sängerfeste verstanden die Sänger entsprechend zu feiern. Mit Pferdefuhrwerken besuchten die Vereinsmitglieder die auswärtigen Veranstaltungen. Alljährlich fand die Waldpartie am Himmelfahrtstag im Hangelstein statt. Als die Sänger von einem verstorbenen Sangesbruder Abschied nahmen, wurden bei der Versammlung nach der Beerdigung zwei Fass Bier und mehrere Flaschen Branntwein getrunken, heißt es in einem Bericht.
Im März 1947 schlossen sich die Vereine Arbeitergesangverein "Sängerkranz" und Sängervereinigung 1925 zusammen.
Die erste Singstunde unter dem neuen Namen Männergesangverein Wieseck fand am 5. März 1947 im Vereinslokal "Zum Kühlen Grund" (später Gasthaus Schepers) statt. 1958 übernahm Wilhelm Schomber die Leitung des Chores und führte ihn 40 Jahre lang.

Seine Tätigkeit hat den Chor entscheidend geprägt.
In seine Zeit als musikalischer Leiter fallen unvergessliche Konzertreisen, wie nach Ungarn mit Konzerten in der Stephans-Basilika und in der Matthiaskirche in Budapest. Weitere Ziele waren Berlin, Hamburg, und die Gießener Partnerstadt Hradec Kralove sowie Admont. Außerdem gab es regelmäßige weltliche und geistliche Chorkonzerte in Wieseck und Gießen und die Sängervereinigung wirkte bei Veranstaltungen der Wiesecker Ortsvereine mit.
Drei Tage lang feierte der Verein im Juni 1972 den 100. Geburtstag. Das Festkonzert fand in der Aula der Justus-Liebig-Universität statt. Höhepunkt des Festes war die überreichung der "Zelter-Plakette" an den Verein durch den damaligen Hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald, der dem Verein als Ehrenmitglied angehörte.
Seit 1976 zählt die Sängervereinigung zum Sängerkreis Gießen. In Anlehnung an die Vereinsgeschichte wurde der Verein 1980 wieder in "Sängervereinigung Wieseck" umbenannt. 1998 übernahm Armin Plewa-Moormann den Verein als Chorleiter; die Sängervereinigung veranstaltete weiterhin regelmäßige Konzerte im heimischen Raum. Zwei Reisen führten nach Gilching zum befreundeten Chor Singkreis Gilching.
2005 gründete sich die Chorgruppe "Cantare", die aus aktiven Mitgliedern der Sängervereinigung besteht und sich mit der Einstudierung moderner Chorliteratur, Pop-Arrangements sowie Gospels und Spirituals befasst.

Seit 1991 steht Hans Dieter Leib an der Spitze der Sängervereinigung.
Nicht nur die chormusikalischen Aktivitäten stehen im Mittelpunkt des geselligen Vereins. Einen wesentlichen Bestandteil des Vereinslebens stellt das jährliche Wintervergnügen dar, zu dem auch die öffentlichkeit eingeladen wird. Die jeweiligen Unterhaltungsprogramme werden ausschließlich von Vereinsmitgliedern gestaltet und finden regelmäßig großen Anklang.
Vierteljährliche Wanderungen fördern die Geselligkeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Vereinsmitglieder.
Mit dem Konzert zum 135-jährigen Bestehen am Sonntag, ab 11 Uhr im Bürgerhaus Wieseck, versucht die Sängervereinigung einen neuen Weg zu gehen. Deshalb wird das Konzert als Matinee veranstaltet, im Anschluss daran bietet das Bürgerhaus-Restaurant den Konzertbesuchern ein Mittags-Buffet an.
Mitwirkende sind: Gemischter Chor Sängervereinigung Wieseck, "Cantare" Sängervereinigung Wieseck, Beate Pflugradt, Evi Ihm, Monika Sadys (alle Sopran) Irene Conrad (Alt), Antonia Schmitt (Flöte) Luisa Wagner (Klavier), Sophie Wagner (Violine), Klavierbegleitung: Therese Rinderknecht.
Die musikalische Leitung hat Armin Plewa Moormann.